Straßenkinder-Projekt Butterflies: Neues Zentrum in Delhi eröffnet

Eröffnung Resilience Centre

Das Straßenkinderprojekt Butterflies hat im indischen Delhi ein neues Zentrum eröffnet. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen die Kinder von Butterflies, die mit einem großen Sport-Event geehrt wurden. Doch auch das Gebäude selbst wurde als Meilenstein gefeiert: Entwurf und Bauweise entsprechen aktuellsten Gesichtspunkten nachhaltiger Architektur.

Eröffnung Resilience Centre
Neben Father Tony Raj, katholischer Geistlicher (im Bildvordergrund), segneten auch Pandit Rajan Shastri, Hindu-Priester, Maulana Mukarram, islamischer Geistlicher, sowie Gurpreet Singh, Sikh-Guru, das neue Center. © Butterflies

„WIR LIEBEN DIESEN ORT!“

Die Begeisterung der Kids war nicht mehr zu bremsen. Lautstark erkundeten sie „ihr“ neues Zentrum. Dabei stürmten sie die Treppen des dreistöckigen Gebäudes hinauf, drehten eine Runde über die Dachterrasse und tobten nach kurzer Zeit wieder hinunter, bevor sie im einladend hellen Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss auf die geladenen Gäste stießen. Endlich war es soweit: Das von MISEREOR unterstützte Straßenkinderprojekt Butterflies konnte nun feierlich ein neues Zentrum in der indischen Hauptstadt eröffnen.

© Butterflies
„Wir lieben diesen Ort. Von hier gehen wir nicht mehr weg!“ Die Butterflies-Kids erkunden ihr neues Zentrum. © Butterflies

ARCHITEKTONISCHES HIGHLIGHT IN INDIEN - NACHHALTIGES BAUEN

Das neue Butterflies-Center setzt Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit – es verfügt über Solarkollektoren, eine Kompostiermaschine und eine Aufbereitungsanlage für Regenwasser. © Ashok Lall/Screenshot

Mit dem neuen Zentrum hat Butterflies auch in Sachen Nachhaltigkeit ein Zeichen gesetzt: Der dreistöckige, offene und lichtdurchflutete Bau wurde von dem bedeutenden indischen Architekten Ashok Lall entworfen und gilt – nicht nur in Delhi – als architektonisches Highlight. Die luftig-leichte Architektur, die hellen Innenräume sowie die farbenfroh gestrichenen Fenster- und Türrahmen verstärken das Gefühl: Dies ist ein Ort der Geborgenheit und voller positiver Energie.

Sowohl für den Bau als auch bei der Inneneinrichtung wollten Rita Panicker und Architekt Lall möglichst nachhaltige Materialien verwenden. Das Bauunternehmen verwertete recycelte Plastikbälle. Sie dienen als Füllmaterial im Zement und verringern das Gewicht des gesamten Gebäudes erheblich – ohne die Stabilität zu gefährden. Das Mobiliar besteht beinahe ausschließlich aus Second-Hand-Möbelstücken, außerdem fangen Solarkollektoren auf dem Dach Wärmeenergie ein. Das neue Zentrum verfügt – im urbanen Indien eine kleine Revolution – über eine Kompostiermaschine und eine Aufbereitungsanlage für Regenwasser. Frische Kräuter und verschiedene Gemüsesorten wachsen im Dachgarten und die nahe gelegene Molkerei versorgt das Zentrum mit Milchprodukten.

Im neuen Resilience Center können die Straßenkinder intensiv betreut und in die verschiedenen kindzentrierten Bildungsprogramme von Butterflies integriert werden. © Butterflies

STRASSENKINDER IN DELHI FINDEN NEUES ZUHAUSE

In dem dreistöckigen Gebäude ist, neben der Verwaltung, Mitarbeiterbüros, Gruppenräumen für Unterricht und Trainings, auch eine Kochschule untergebracht. Herzstück des Kinderschutzzentrums ist jedoch eine Notunterkunft für Jungen, die sonst auf der Straße leben. Hier im neuen Resilience Center werden sie intensiv betreut und in die verschiedenen kindzentrierten Bildungsprogramme von Butterflies integriert.

Das neue Resilience-Center von Butterflies ist auch eine Vorzeigeprojekt in Sachen nachhaltiger Architektur, wie der Butterflies-Film zeigt.

„DIE WELT IST EINE FAMILIE“

Mit der feierlichen Eröffnungszeremonie setzte Butterflies zudem ein deutliches Zeichen für Pluralismus und für ein friedliches Miteinander. Werte, die derzeit auch – und gerade – in Indien in Gefahr sind. Repräsentanten der vier großen Religionen Indiens , Father Tony Raj, katholischer Geistlicher, Pandit Rajan Shastri, Hindu-Priester, Maulana Mukarram, islamischer Geistlicher, und Gurpreet Singh, Sikh-Guru, waren gekommen, um den Kindern, Mitarbeitenden, geladenen Gästen und dem Zentrum ihren Segen auszusprechen. Und um die Botschaft von der Welt als der einen Familie zu unterstreichen, die auch Butterflies mit seiner Arbeit verbreitet: Vasudhaiva Kutumbakam, wie es im Sanskrit heißt: „Wir alle sind Teil der einen Familie“. Und für diese Menschenfamilie spielen Herkunft, Religion, soziale Schicht, Kaste oder Geschlecht keine Rolle.

von Tobias Bader / MISEREOR