Sport und Spiel in Ruanda

Freiwilligendienst
Freiwilligendienst

Maurice Dieu-Sauve ist schon fast ein Kölsche Jung. Der Ruander macht seit Mai ein freiwilliges soziales Jahr bei der Caritas.

Davor war er im 2 Euro Projekt „Vision Jeunesse Nouvelle“ unterwegs. Lange Zeit hat Maurice dort Theater gespielt, sich um andere Kinder und Jugendliche gekümmert und ab und an einen Ball gekickt. Mit dem MISEREOR Freiwilligendienst verbringt er nun ein Jahr in  Deutschland und sammelt wertvolle Erfahrungen.

Im Interview erzählt er uns von Ruanda, dem Projekt und seinen Sporterfahrungen. Er verrät uns auch, was beim Sport die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Ruanda sind.

Maurice, du bist vor kurzem beim Köln Marathon gelaufen und hast dabei Spenden für MISEREOR gesammelt. Wieso?

Naja, also erst mal wollte ich gerne etwas Neues ausprobieren und mal bei einem Marathon mitlaufen! Zum anderen bin ich ja über den MISEREOR-Freiwilligendienst an das FSJ in Köln gekommen. Deswegen wollte ich jetzt auch gerne MISEREOR unterstützen. Und dann bringt so ein Event immer Leute zusammen, die das gleiche Ziel haben. Das finde ich super!

Freiwilligendienst
Maurice beim Köln Marathon 2017

Machst du denn auch sonst Sport?

Ja, ich spiele Fußball.

Hast du auch in Ruanda bei Vision Jeunesse Fußball gespielt?

Ich hab mich da ja vor allen Dingen um den Theaterbereich gekümmert und war dort sehr aktiv. Da blieb leider nicht viel Zeit für Fußball. Aber es gibt bei VJN auch immer wieder Turniere zwischen den einzelnen Gruppen. Dann spielt also zum Beispiel das Theaterteam Fußball gegen die traditionelle Tanzgruppe. Und am Freitagabend machen alle Mitarbeiter von Vision Jeunesse Nouvelle gemeinsam Sport. Das hat immer viel Spaß gemacht!

Was bewirkt denn der Sport bei den Kindern und Jugendlichen?

Die Kinder haben endlich einen Raum, an dem sie sich selber ausprobieren können und ihre Talente entdecken dürfen! Außerdem werden sie trainiert und können sich so weiterentwickeln. Viele bekommen dann wegen ihrer Sportleistung ein Stipendium an der Uni.

Das Sportprogramm beschränkt sich aber nicht nur aufs körperliche Training, sondern auch die Moral spielt eine große Rolle. Wenn so viele junge Leute zusammen kommen, ist das eine super Gelegenheit um mit ihnen über Themen zu sprechen wie z.B. Aids. Wir reden darüber, wie sie dagegen kämpfen können und wie sie ihrem Körper mit Sport etwas Gutes tun. Wir haben durch das Training auch die Chance, Werte wie Vergebung, Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung zu vermitteln.

ein Schild mit "Genocide never again"
Der Völkermord in Ruanda hat tiefe Narben hinterlassen. Sport kann dabei helfen, die Erfahrungen zu verabeiten.

Was fallen dir denn für Unterschiede zwischen Deutschland und Ruanda auf, wenn es um Sport geht?

Oh, es gibt natürlich schon einige Unterschiede! Ein großer Unterschied ist zum Beispiel, dass die Kinder in Deutschland genug Ausstattung und Zeit haben, um in der Schule, zuhause und an jeder Straßenecke zu spielen. Manche Kinder in Ruanda würden gerne spielen, aber ihr Magen ist einfach zu leer.

Sport spielt in beiden Ländern auch eine unterschiedliche Rolle: In Deutschland denkt man, dass Sport für die Gesundheit, die Bewegung und auch fürs Vergnügen gut ist. In Ruanda denken die Leute, dass Sport nur etwas für Kinder ist. Deswegen gibt es sehr viele Erwachsene in Ruanda, die das letzte Mal in ihrer Schulzeit Sport getrieben haben. Aber zum Glück verstehen die Leute immer mehr, wie wichtig Sport eigentlich ist.

Ein anderer Unterschied ist noch die Sportvielfalt. In Deutschland können die Kinder sich zwischen so vielen verschiedenen Sportarten entscheiden, aber in Ruanda gibt es nicht so viel Auswahl. Wenn man Profisportler werden will, geht das eigentlich nur mit Fußball, Volleyball, Basketball oder mit Leichtathletik.

Und gibt es auch Dinge, die ähnlich sind?

Sowohl in Ruanda als auch in Deutschland sind Kinder und Jugendliche total sportbegeistert. Es ist egal wie die Umstände sind oder wie wenig sie haben. Überall gibt es so viele junge Leute, die gerne Profisportler werden würden! In beiden Ländern bringt Sport die Leute zusammen. Egal, ob sie nur zuschauen oder mitspielen. Jeder ist einfach gerne bei Sportevents dabei.

Die Freiwilligen sind für MISEREOR beim Köln Marathon mitgelaufen.

Maurice, vielen Dank für dieses Gespräch!