Die Kunst zu Überleben

© Airavati / MISEREOR

In den Flüchtlingscamps im Norden Myanmars bringt das Airavati-Kunstprojekt Farbe und Hoffnung in das Leben der geflüchteten Kinder und Jugendlichen.

Luftschläge, Artilleriebeschuss und Rebellenangriffe: Immer wieder verschärft sich der Konflikt zwischen der Armee und den  bewaffneten ethnischen Gruppen im Norden des Landes, die nach mehr Autonomie streben. Über 100.000 Menschen mussten bereits Zuflucht in Lagern nehmen.
Am meisten leiden die Kinder. Viele haben Eltern oder Geschwister verloren und sind durch die Gewalterfahrungen traumatisiert. „Ich erinnere mich an die Schüsse“, erzählt ein Junge. „Ich habe mir gewünscht, ich wäre so klein wie eine Ameise. Oder so hart wie ein Stein, härter als die Schüsse.“

Den Kindern und Jugendlichen fällt es oft schwer, ihre Erfahrungen und Nöte zu verbalisieren. Das 2-Euro-Projekt hilft ihnen dabei, ihre seelischen Wunden zu heilen.

Ich unterstütze dieses Projekt.

Im Airavati-Kunstprojekt finden Flüchtlingskinder einen geschützten Raum, in dem sie ihren Gefühlen, Sorgen und Ängsten Ausdruck verleihen können. © MISEREOR / Airavati
Über 100.000 Menschen sind in Myanmar aufgrund der anhaltenden Konflikte Flüchtlinge im eigenen Land. Besonders die Camps im Norden des Landes werden aufgrund ihrer schwierigen Lage schlecht versorgt.© MISEREOR / Airavati
Viele Kinder sind aufgrund der Gewalterfahrungen traumatisiert. Und der Schrecken setzt sich fort: Selbst in den Camps sind noch Schüsse von außerhalb zu hören. © MISEREOR / Airavati
Deswegen malen die Kunstlehrerinnen und -lehrer mit den Kindern, um die Erlebnisse zu verarbeiten und neue Hoffnung zu schenken. Aus Einschusslöchern werden so zum Beispiel farbenfrohe Blumen. © MISEREOR / Airavati
In jeder Kunststunde bearbeiten die Kinder ein bestimmtes Thema und sprechen mit den Lehrern und Lehrerinnen über ihre Erlebnisse. © MISEREOR / Airavati
Über 3500 Kinder können durch das Kunstprojekt erreicht werden. © MISEREOR / Airavati
Im Flüchtlingscamp gibt es kaum Spielsachen. Die Kinder beschäftigen sich stattdessen mit dem Matsch, der sie umgibt. Im Projekt lernen sie, wie man daraus schöne Dinge formen kann. So zum Beispiel ihr Dorf im Kachin-Staat. © MISEREOR / Airavati
Die Kunstwerke werden regelmäßig in Ausstellungen präsentiert. So macht unser Projektpartner auch auf die desolate Situation der Flüchtlinge aufmerksam. © MISEREOR / Airavati

Farbe im tristen Flüchtlings-Alltag

„Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr sich die Kinder auf die zwei Stunden Malkurs freuen!“, erzählt die Kunsttherapeutin Kaw Seng. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen bietet sie in 27 Flüchtlingscamps rund um die Stadt Laiza Kunstunterricht an.

Bestimmte Geräusche, Farben oder Gerüche können bei den Flüchtlingskindern schmerzhafte Erinnerungen wecken. Furchteinflößende Bilder haben sich in den Köpfen festgesetzt. Behutsam gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Schülern auf Spurensuche. Jedes Kunstwerk steht in engem Zusammenhang mit der Erfahrung der Vertreibung. Die kleinen Künstler malen ihre Heimat, ein Paradies für ihre Angehörigen oder verfolgen mit Lehm und Fingerfarbe die eigene Fluchtroute. Das tiefe Eintauchen in den kreativen Prozess hilft den Kindern, sich zu öffnen. Sie lernen, den Schmerz zu verarbeiten und die Angst mit Mut zu besiegen.

Myanmar hofft auf Frieden

Im Jahr 2010 fanden die ersten Parlamentswahlen seit 1990 in Myanmar statt. Doch der Weg zum Frieden ist beschwerlich. Die Interessen des Militärs, der Regierung und der verschiedenen ethnischen Gruppen führen immer wieder zu Konflikten. Friedensbildende Maßnahmen müssen implementiert und gefördert werden. Die Hoffnung ruht auf der nächsten Generation.

„Irgendwann wird der Konflikt vorüber sein, und die Kinder sind dann erwachsen“, sagt Kaw Seng. Die Kunsttherapeutin kämpft dafür, dass in jeder Kinderseele Frieden wachsen kann. Denn nur so kann auch Frieden in das zerstrittene Land einziehen.

Gemeinsam für eine bessere Zukunft

Das Laiza Kunstprojekt möchte noch viel mehr Flüchtlingskinder erreichen. Deswegen werden regelmäßig Ausstellungen organisiert. Durch die Präsentation der Kunstwerke kommen alle Kinder und Jugendliche mit der heilsamen Kraft der Kunst in Berührung. Sie werden ermutigt, sich ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen zu stellen. Außerdem bilden die Kunstlehrerinnen und -lehrer Multiplikatoren aus. So zieht die Kunst zu überleben weite Kreise.

So hilft deine spende

Haus mit Sonne

Mit 2 x 2 Euro können das Papier, die Farben, Pinsel und Paletten für das Kunstwerk eines Kindes finanziert werden.

Gemeinsam stark

30 x 2 Euro erhalten die ehrenamtlichen Kunstlehrer und -lehrerinnen zur monatlichen Unterstützung. Durch ihren Einsatz können über 3500 Kinder erreicht werden.

Über das Projektland

Myanmar

Seit Jahrzehnten wüten bewaffnete Konflikte in Myanmar. In verschiedenen Teilen des Landes kämpfen bewaffnete Gruppen ethnischer Minderheiten für mehr Autonomie gegen die burmesische Armee. Gewalt und Mangelernährung bestimmen den Alltag der Menschen in den umkämpften Gebieten. Hundertausende Menschen mussten vor der Gewalt aus ihrer Heimat fliehen. Laut der UN sind mehr als 350.000 Vertriebene im eigenen Land. Über eine Million Menschen sind in Nachbarländer geflohen.