Ruanda

Über das Projekt
Über das Projekt
"Jeder Jugendliche soll die Chance haben, seine Talente zu entdecken und zu Entfaltung zu bringen", sagt Emmanuel Dusambimana, Koordinator von Vision Jeunesse Nouvelle (VJN). 2002 gründeten Pater Gabriel Lauzon aus Kanada und Pater Epimaque MAKUZA aus Gisenyi das Projekt. Ihr Ziel: Jugendlichen einen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie Selbstverwirklichung, Toleranz, Kooperation und Solidarität erlernen und erfahren. Heute sind die Jugendzentren Anlaufstelle für Jugendliche im Alter von 13 bis 35 Jahren. 125 Mitarbeiter unterstützen Schüler und Schulabbrecher, junge Arbeitslose und Auszubildende, (Halb-)Waisen, die in Kinderhaushalten ohne Eltern leben, und Mayebo, wie Straßenkinder in Ruanda genannt werden.
Hauptsitz von Vision Jeunesse Nouvelle ist die Stadt Gisenyi in der Westprovinz des Landes, in der Nähe des Kivu-Sees. In 20 weiteren offenen Jugendzentren, die über die ganze Region verteilt sind, können Jugendliche in 200 Fußball-, 80 Handball- und 15 Volleyballteams treffen.
Neben weiteren sportlichen Aktivitäten wie Basketball, Schwimmen, Leichtathletik und Kampfsport bietet das Programm auch Akrobatik, modernen und traditionellen Tanz, Musik und Kino. Rund 33.000 Jugendliche nutzen die Angebote, denn Freizeitmöglichkeiten gibt es wenig im Distrikt Rubavu. Adrien ist einer davon. "Ich will später Fußballer werden", sagt der 16-Jährige. "Deswegen komme ich regelmäßig her. Außerdem treffe ich hier meine Freunde." Einige von ihnen machen bei Vision Jeunesse eine Ausbildung als Maurer, Schreiner, Elektriker und Mechaniker.
"Viele sind traumatisiert"
Zudem unterhält VJN eine Vielzahl von Gesellschaften für Kleinhändler und Viehzucht, führt Alphabetisierungskurse durch und vergibt Kleinkredite. "Nach allen Kursen, die meistens mehrmals wöchentlich stattfinden, sprechen wir mit den Jugendlichen über ihre Probleme, über Alkoholmissbrauch, HIV/Aids, Gewalt, aber auch über die Geschichte unseres Landes", sagt Dusambimana. Bei viele der Jugendlichen und jungen Erwachsenen werde der Alltag in ihren Familien immer noch durch das Genozid bestimmt. "Fast alle haben damals Familienangehörige verloren. Viele sind traumatisiert."
Die Ereignisse, die zur Traumatisierung weiter Teile der Bevölkerung Ruandas geführt haben, liegen mittlerweile 17 Jahre zurück. Ab April 1994 ermordeten radikale Hutu-Milizen in den ersten 100 Tagen 800.000 Angehörige der Volksgruppe der Tutsi und gemäßigte Hutus. Im Zuge der anschließenden Rückeroberung durch die RPF, die Rebellenarmee der Tutsi, waren mehrere zehntausend Todesopfer in dem dicht bevölkerten Land zu beklagen. Im Zuge des Bürgerkriegs fliehen mehr als zwei Millionen Ruander außer Landes, die meisten über die Grenze ins benachbarte Goma.
Vorzeigestaat
Heute kann Ruanda zwar einen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen. Für viele westliche Regierungen gilt das Land in der Region der großen Seen mittlerweile als Vorzeigestaat. Die Investitionen aus dem Ausland steigen. Der Tourismus in der Hauptstadt Kigali, in den Bergwäldern rund um Ruhengeri und am Kivu-See boomt. Doch die Bilanz des ehemaligen RPF-Rebellenführers und jetzigen Präsidenten Paul Kagame ist nicht makellos.
Viele Kritiker sehen die Sicherheit, Stabilität und neue Reisefreiheit im Land einer radikalen Unterdrückung weiter Teile der Bevölkerung geschuldet. Trotz des offiziellen Verbots einer Unterscheidung von Hutu und Tutsi sind die Schlüsselpositionen in Politik, Wirtschaft, Militär und Polizei zum größten Teil mit anglophonen Tutsi besetzt.
Armut und Arbeitslosigkeit
Zur weiteren Elitebildung trägt die Tatsache bei, dass seit Frühjahr 2009 als Amtssprache Englisch eingeführt wurde. Mit dem politisch verordneten Wechsel einer stärkeren Hinwendung zur ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft bleiben selbst die französischsprachig Gebildeten auf der Strecke. Vor allem die Menschen auf dem Land bekommen vom neuen Wohlstand wenig zu spüren. Hier ist das Leben geprägt von Arbeitslosigkeit, Armut und dem täglichen Kampf ums Überleben. Umso wichtiger ist die Arbeit von Vision Jeunesse Nouvelle.
Portraits
Portraits
François (23 Jahre)
"Ich heiße François Ntibaruhije, bin 23 Jahre alt und seit 1998 Vollwaise. Früher trieb ich mich auf der Straße herum und machte nichts außer Hasch rauchen und Bier trinken. 2006 ging ich eher zufällig zu einem von Vision Jeunesse Nouvelle (VJN) organisierten Fußballturnier.
Nach dem Spiel gab es ein Gespräch mit Spielern und Zuschauern über HIV/AIDS und Drogen. Der Supervisor von VJN koordinierte das Ganze. Er sagte auch, dass VJN Jugendliche bei der Berufsausbildung unterstützt. Eine Woche später ging ich zum Centre Culturel (Kulturzentrum) und ließ mich ausführlich beraten. Ich durfte aussuchen, welchen Beruf ich erlernen möchte, und entschied mich für Fahrradreparateur.
Nach einer sechsmonatigen Ausbildung stellte uns VJN ein Reparaturset zur Verfügung. Als ausgebildeter Fahrradreparateur kehrte ich in meine Heimat, zwölf Kilometer von der Stadt Gisenyi entfernt, zurück. Dort begann ich mit der Reparatur von Fahrrädern. Nach vier Monaten kaufte ich ein Schwein im Wert von 40.000 Ruanda-Francs (rund 48 Euro), das nach acht Monaten zehn Ferkel warf. Diese verkaufte ich für 120.000 Ruanda-Francs wieder und erwarb dann für 200.000 Ruanda-Francs ein Stück Land.
Ich beauftragte einen Maurer, mir ein Haus von sechs mal acht Metern zu bauen. Jetzt ist mein Haus fertig und ich bereite mich auf meine Hochzeit vor. Ich bin VJN sehr dankbar!
Ich habe erfahren, dass VJN jetzt ein Berufsbildungszentrum gebaut hat. Die Gelegenheit würde ich gerne nutzen und mich zum Automechaniker weiterbilden."
Françoise (22 Jahre)
Ich heiße Françoise Nyiranshuti, bin 22 Jahre alt, habe sieben Geschwister und wohne im Bezirk Nyamyumba. Ich stamme aus einer armen Familie. Als ich jünger war, musste ich meinen Eltern bei der Beschaffung des Lebensnotwendigsten helfen. Deswegen konnte ich nicht zur Primarschule gehen. Lesen und Schreiben lernte ich später in den Alphabetisierungskursen im Zentrum Bwitereke bei Vision Jeunesse Nouvelle.
Ich hatte Glück und wurde von VJN für eine Berufsausbildung ausgewählt. Sechs Monate machte ich eine Ausbildung zur Friseurin. Danach bekam ich von VJN die Grundausstattung zur Ausübung meines Berufs und eröffnete meinen eigenen Friseursalon ganz in der Nähe der BRALIRWA (Brasseries et Limonaderies du Rwanda), dem größten Bier- und Softdrink-Hersteller Ruandas. Dort gibt es viel Laufkundschaft. Nach der Eröffnung meines Salons begann meine Schwester mit der Sekundarschule. Aber meine Eltern waren nicht in der Lage, die Schulgebühren und das für eine gute Ausbildung nötige Schulmaterial zu bezahlen. Deshalb habe ich die Schulgebühren übernommen. Jetzt ist meine Schwester schon im dritten Jahr.
Nach dem Bau des Berufsbildungszentrums von VJN hörte ich, dass Ausbilder gesucht werden. Das fand ich interessant, weil ich mein Wissen gerne an andere Jugendliche aus sozial schwachen Schichten weitergeben wollte. Vor kurzem habe ich einen Vertrag unterschrieben. Jetzt unterrichte ich junge Leute in dem Bereich, den ich gut kenne. Wie schön, dass ich Jugendlichen das Wissen vermitteln kann, das ich selbst bei Vision Jeunesse Nouvelle gelernt habe. So kann ich das Geschenk zurückgeben, das VJN mir gemacht hat.
Ruanda
Ruanda
Für viele westliche Regierungen gilt Ruanda heute als Vorzeigestaat in Afrika. Die Investitionen aus dem Ausland steigen. Der Tourismus in der Region der großen Seen boomt. Dennoch ist das Leben vieler geprägt von Arbeitslosigkeit, Armut und dem täglichen Kampf ums Überleben - bei steigenden Preisen für Ernährung und Schulbildung. Und noch immer leidet die Bevölkerung unter den Folgen des Massenmords von 1994.
Wusstest Du darüber hinaus, dass...
- es drei Amtssprachen gibt, nämlich Französisch, Englisch und Kinyarwanda?
- jeder Zweite der elf Millionen Ruander unter 15 Jahre alt ist?
- 93 Prozent der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt durch die Landwirtschaft erwirtschaften?
- Ruanda auch das Land der 1.000 Hügel (frz. Pays de Mille Collines) genannt wird?
- das Land 32 Jahre lang (1884 - 1916) eine deutsche Kolonie war?
- MISEREOR aktuell 25 Projekte in Ruanda unterstützt?
Weitere Infos
Weitere Infos
Only One: Wir sind eins!
Eine der erfolgreichsten Tanzgruppen bei VJN ist "Only One". 2-Euro-helfen-Korrespondent Sigurd sprach mit Trainer Oscar Nshimiyimana und Ronja, seiner "Mitfreiwilligen" bei VJN, über Tanzen, Fehler und die Farbe von Blut. interview_onlyone.pdf
Was genau macht VJN?
Bei Vision Jeunesse Nouvelle können Kinder und Jugendliche im Chor singen, auf der Fußball-Akademie kicken lernen, ins Kino gehen oder sich auch einfach nur mit Freunden treffen. Mehr Infos dazu findest Du hier: vjn-projekte.pdf
Mit Kleinigkeiten Großes bewirken
Zehn Monate arbeitet Ronja Monshausen als MISEREOR-Freiwillige bei Vision Jeunesse Nouvelle de Gisenyi. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit mit den Straßenkindern, Anfangsschwierigkeiten und wie man mit kleinen Dingen Großes erreichen kann. interview_ronja.pdf
Völkermord in Ruanda

800.000 Ruander starben zwischen April und Juli 1994. Wie konnte es zu diesem grausamen Völkermord kommen? ruanda_genozid. pdf; Einige Filme und Bücher beschäftigen sich mit dieser Frage: tipps.pdf. Weitere Infos gibt's unter www.arte.tv
VJN im Netz
Unser Korrespondent

Sigurd Rothe arbeitet als MISEREOR-Freiwilliger bei Vision Jeunesse Nouvelle. Von Gisenyi aus berichtet der 19-Jährige regelmäßig über das Projekt. Zu den Berichten
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Only One by Sophie Tritschler feat. Vision Jeunesse Nouvelle
Orchestra African Stars
"Amahoro". So heißt die erste CD der African Stars, dem Orchester von Vision Jeunesse Nouvelle. Hörprobe gefällig?
Cacana
Juliana
Obukwano
Mukw'iyimpundu
Zu Besuch in Gisenyi

Doppelpass-Training auf dem Bolzplatz und Klavierunterricht am Laptop: MISEREOR-Referent Klaus Teschner zu Besuch bei Sigurd in Gisenyi. Zu den Fotos












