Liberia

Über das Projekt

Über das Projekt

Der Bürgerkrieg in Liberia hat einer ganzen Generation die Zukunft gestohlen. Den Kindern, die gezwungen wurden, in den Kampf zu ziehen. Aber auch denjenigen, die Opfer dieser Kindersoldaten wurden. Viele haben Eltern, Geschwister und Freunde während des grausamen Krieges verloren.

Und dennoch: Der Friede ist spürbar geworden. Die Menschen bauen mit großen Hoffnungen ihr zerstörtes Land wieder auf. Nun ist gefragt, wer eine Ausbildung als Maurer, Schreiner oder Mechaniker hat. Und genau hier setzt das MISEREOR-Projekt an.

In der stark vom Krieg zerstörten Kleinstadt Gbarnga im Norden Liberias bildet die Diözese Kindersoldaten und andere vom Bürgerkrieg betroffene Jugendliche aus, um ihnen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen. Zwei Lehrer unterrichten je 20 Jugendliche.

Gleichzeitig werden die Jungen und Mädchen psychologisch begleitet. Der Erfolg einer so intensiven Betreuung: Die Jugendlichen bleiben mit Ausdauer bei ihrer Ausbildung und finden neuen Lebensmut. In Zukunft können sie so ihren Lebensunterhalt friedlich verdienen - als Schreiner, Automechaniker, Maurer. Oder wie Ronny als Ausbilder.

Wissen weitergeben

Der ehemalige Kindersoldat schloss bereits 2006 seine Lehre als Maurer ab, und das so gut, dass Pater Chris Brennan, der Leiter des diözesanen Ausbildungsprogramms, ihn nach entsprechender Fortbildung als Ausbilder eingestellt hat.

Dazu Chris Brennan: "Leute wie Ronny können sich natürlich besonders gut in das Denken und Fühlen von ehemaligen Kindersoldaten oder sonst kriegsgeschädigten Jugendlichen hineinversetzen. Sie sind deshalb über ihre Funktion hinaus wichtige Gesprächspartenre für die meist traumatisierten Jungen und Mädchen."

Die Warteliste für Ausbildungsplätze aber ist lang. Geplant ist nun die Ausweitung der Ausbildungszentren. Auch in anderen Teilen des Landes soll das erfolgreiche Projekt aufgebaut werden. Ein guter Grund für uns, die Kindersoldaten und andere vom Bürgerkrieg betroffenen Jugendliche in Liberia weiter mit 2-Euro-Spenden zu unterstützen.

Portraits

Portraits

Nekepeh (23 Jahre)

"Der Krieg hat uns nur dazu gebracht, unsere Familien und unser Hab und Gut zu zerstören", sagt Nekepeh Konkah. Der 23-Jährige ist einer von über 60 Jugendlichen, die in der katholischen Gemeinde in Yekepa ausgebildet werden. Wenn er seine Geschichte erzählt, wirkt es, als sei alles weit weg. Er stockt nicht beim Sprechen. Nur der Blick seiner Augen verrät, dass es noch eine Gefühlswelt dahinter gibt, die aber überlagert ist.

Alles begann, als Charles Taylor aus dem Busch eine Rebellion gegen den damaligen Diktator Samuel Doe führte. Damals war Nekepeh neun Jahre alt. Seine Familie floh mit ihm ins Nachbarland Guinea. Drei Jahre später kam er zurück und lebte mit seinem älteren Bruder zusammen. An einem Tag im darauf folgenden Jahr kam Nekepehs Bruder nicht von der Schule zurück. Rebellen hatten den Nachbarort überfallen. Sie erschossen den Bruder. "Ich war allein. Meine Familie lebte noch im Exil. Ich wollte den Tod meines Bruders rächen. Also schloss ich mich der anderen Seite an", sagt Nekepeh. "Als Kämpfer haben wir Leute bestohlen, erpresst, misshandelt und manchmal auch getötet."

Drei Jahre verbrachte Nekepeh bei seiner Einheit. Dann lief er fort. "Das, was ich früher gemacht habe, war schlecht", sagt er. "Jetzt lerne ich Tischler. Damit kann ich mir meine Zukunft aufbauen." 

Eine ausführliche Lebensgeschichte von Nekepeh findest Du unter weitere Infos.


Ronny (25 Jahre)

"Ich muss zehn oder elf gewesen sein, als Soldaten unser Dorf überfielen und mich und acht andere Jungen mitnahmen. Mein Vater ist ihnen noch ein Stück hinterhergelaufen und hat sie angefleht, uns doch loszulassen. Da haben sie ihn einfach erschossen. In einem versteckten Lager irgendwo im Wald haben wir dann mit anderen Kindern gelernt, ein Maschinengewehr zu bedienen. Als wir das konnten, sind wir mit den Soldaten nachts in unser Dorf zurück. Mit Schreien und Gewehrsalven haben wir die Leute geweckt, und als sie aus den Hütten kamen, mussten wir Kinder auf sie schießen. Ich glaube, ich habe dabei meinen Opa, einen Onkel und zwei Vettern umgebracht. Seitdem habe ich mich nicht mehr nach Hause getraut, obwohl der Krieg längst vorbei ist und meine Mutter dort lebt, die ich so gerne wiedersehen möchte."

Was Ronny erzählt, ist ein typisches Schicksal von Kindersoldaten. Es gehört zur perfiden Strategie von Bürgerkriegsarmeen, Kinder zu entführen und sie zu Verbrechen an ihren eigenen Familien und den Bewohnern ihres Dorfes zu zwingen. Dermaßen belastet, können die Kinder nicht mehr in ihre Dorfgemeinschaft zurückkehren und sind auf Gedeih und Verderb auf den "Schutz" ihres "Kriegsherrn" angewiesen. Acht Jahre hat Ronny in einer der sieben Bürgerkriegsarmeen in Liberia gekämpft. Dass er diese Zeit überlebt hat, grenzt an ein Wunder: "Die Kameradinnen und Kameraden, die mit mir oder vorher schon zu unserer Truppe gekommen sind, sind alle tot. Nur einige, die später kamen und viel jünger sind als ich, sind noch am Leben. Zwei von denen sind auch hier."

Heute bildet Ronny selbst ehemalige Kindersoldaten und vom Krieg betroffene Jugendliche im handwerkliche Ausbildungszentrum der Diözese Gbarnga aus.




Liberia

Liberia

Die Bevölkerung Liberias hat 14 Jahre lang unter dem Bürgerkrieg gelitten. Das Blutvergießen begann, als Charles Taylor 1989 putschte. Anfang 2003 flammte der Krieg erneut auf. Mehr als 200.000 Menschen kamen um, fast zwei Millionen mussten ihre Heimat verlassen. Schätzungsweise die Hälfte der Kämpfer waren Kinder und Jugendliche. Sie wurden nicht selten direkt vom Schulhof rekrutiert – oft mit Gewalt.  So wurde in Liberia eine ganze Generation um ihre Zukunft betrogen.

Wusstest Du darüber hinaus, dass...

  • Liberia im Nordwesten an Sierra Leone, im Norden an Guinea und im Osten an die Elfenbeinküste grenzt,
  • das westafrikanischen Land 3,8 Millionen Einwohner hat,
  • ein Drittel der Bevölkerung im Großraum der Hauptstadt Monrovia lebt,
  • in Liberia etwa 20 Ethnien leben. Sie lassen sich in vier Obergruppen einteilen: Mande- Völker (z.B. Kpelle, Gio, Mano, Lorma, Mandingo); Kru- Völker (z.B. Bassa, Grebo, Kru, Krahn); Mel- Völker (z.B. Kissi, Gola) und die Nachkommen afroamerikanischer Sklaven, genannt Americo-Liberians,
  • MISEREOR aktuell rund 20 Projekte in Liberia unterstützt?

Weitere Infos

Weitere Infos

Ein ehemaliger Kindersoldat erzählt

Nekepeh war 13, als er zum ersten Mal zur Waffe griff. "Der Krieg hat uns nur dazu gebracht, unsere Familien und unser Hab und Gut zu zerstören", sagt er heute. Hier erfährst Du mehr über sein Leben als Kindersoldat: Nekepeh_Portrait.pdf


Literatur zu Kindersoldaten

Weltweit müssen Kinder mit der Waffe in der Hand kämpfen. Hier findest Du ausgewählte Bücher und interessante Websites zum Thema: Kindersoldaten_Info.pdf


Interview mit Projektleiter

Der gebürtige Ire Pater Chris Brennan betreut seit 1994 als Leiter des 2-Euro-Helfen-Projekts in Yekepa ehemalige Kindersoldaten. Hier kannst Du nachlesen, was Pater Chris Brennan über seine Arbeit erzählt: Interview_Brennan.pdf


"Wir fragen die jungen Leute nicht, ob sie gekämpft haben. Was zählt, ist, ob sie etwas lernen wollen." (Pater Chris Brennan)

Unser Korrespondent

Vincent Neussl, Liberia-Referent bei MISEREOR, berichtet regelmäßig über das Land und das 2-Euro-Ausbildungsprojekt in Gbarnga.

Zu den Berichten


Deine 2 Euro helfen. Zum Beispiel:

  • 1 x 2 €: Arbeitsmaterial für einen Jugendlichen pro Woche
  • 2 x 2 €: Lehrmaterial (z.B. Maurer-Handbuch
  • 6 x 2 €: Arbeitskleidung für einen Jugendlichen (Schuhe + Overall)
  • 12 x 2 €: 1 Werkzeugsatz
  • 20 x 2 €: 1 Werkzeugkiste für ein/e fertig ausgebildete/n Handwerker/in