Indien

Über das Projekt

Über das Projekt

Dreck, Müll, Angst. Das Leben auf der Straße ist ein täglicher Überlebenskampf und bitterer Alltag für Tausende Kinder in Indien. Viele Jungen und Mädchen sind ganz auf sich allein gestellt. Im Müll suchen sie nach verwertbaren Essensresten, putzen Schuhe oder stehlen und prostituieren sich. Leicht werden sie zu Opfern körperlicher und sexueller Gewalt. 

Vier bis zehn Stunden arbeiten sie täglich und verdienen damit zwischen 20 und 80 Rupien – umgerechnet etwa 40 Cent. Für Schule bleibt da kaum Zeit oder Geld.

Diesen Kindern Sicherheit, Geborgenheit und eine Zukunft zu geben, hat sich das Straßenkinderprojekt Butterflies zum Ziel gemacht. Genau dort wo die Kinder leben, treffen sie die Sozialarbeiter der Butterflies.

Die Schule zu den Kindern bringen

An Bahngleisen und Busbahnhöfen, im Park oder in der Markthalle gibt es Contact Points. Sie sind Anlaufstellen für Sorgen und Nöte, Krankenstationen und Freiluftklassenzimmer. Denn "wenn die Kinder nicht zur Schule gehen können, so bringen wir die Schule einfach zu ihnen", ist das Motto des mobilen Bildungsprogramms.

Rita Panicker hat 1989 die Butterflies gegründet. Den Namen erklärt sie so:

"Ein Schmetterling ist eine der schönsten Kreaturen der Natur, ebenso wie ein Kind. Der Schmetterling fliegt von Blume zu Blume, um sich zu ernähren. Unsere Kinder sind für ihren Lebensunterhalt auch ständig in Bewegung. Schmetterlinge haben ein sehr kurzes Leben. Straßenkinder haben eine sehr kurze Kindheit."

Ein Stück Hoffnung auf der Straße

Die Kinder sollen in ihrer Eigenständigkeit gestärkt und unterstützt werden, das ist die Idee des Projekts. "Man kann Kinder, die seit Monaten und manchmal auch seit Jahren auf der Straße ums Überleben kämpfen, nicht in ein Heim stecken und sie in einen vorgegebenen Tagesablauf pressen", betont Rita Panicker.

Die Kinder wählten meistens das harte und gefährliche, aber freie und selbstbestimmte Leben auf der Straße. "Nur ganz behutsam lassen sich einige Kinder wieder in ein geregeltes Leben eingliedern." Entsprechend behutsam und respektvoll gehen die Butterflies-Mitarbeiter mit den Kindern und Jugendlichen um.

Neben Unterricht und medizinischer Versorgung kann man bei den Butterflies auch eine Berufsausbildung zum Koch machen. Es gibt Tanz- und Theatergruppen, eine Straßenkinderzeitung und Straßenkinderradio, den Kinderrechtsklub und die Kinderentwicklungsbank, in die die Kinder ihre Ersparnisse einzahlen können.

Auch nachts finden die Kinder in Nachtunterkünften an verschiedenen Plätzen in Delhi Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch, eine Dusche und warmes Essen. So gibt Butterflies rund 1.500 Straßenkindern eine Zukunftsperspektive für ein Leben jenseits der Straße.

Portraits

Portraits

Manan (11 Jahre)

"Heute machen wir wieder Rechenaufgaben", sagt Manan und setzt sich zu den anderen Kindern.

Das Klassenzimmer der Elfjährigen hat keine Tische, keine Stühle und auch keine Tafeln. Mitten im Trubel vor einem Bahnhof in Delhi stellen zwei Straßenlehrer den Kindern Aufgaben, erklären und helfen ihnen bei der Lösung. Die Jungen und Mädchen rechnen und schreiben auf den Knien. Nach zwei Stunden ist der Unterricht beendet, die Gruppe geht auseinander.

Manan besucht diesen Unterricht regelmäßig. Sie lebt am Bahnhof, in einem Loch an den Gleisen. "Wenn die Fernzüge kommen, gibt es am Bahnhof den besten Müll in der Stadt. Metall und Glas kann ich immer gut verkaufen und in den Nachtzügen finde ich oft sogar noch etwas zu essen. Morgens gehe ich vor den großen Büros Schuhe putzen. Und nachmittags habe ich dann Zeit für die Butterflies-Schule", sagt sie.

"Wenn ich rechnen und lesen kann, ziehen mich die Erwachsenen nicht so leicht über den Tisch", sagt Manan. Früher konnte sie das Gewicht des gesammelten Mülls nicht in Rupien umrechnen und musste nehmen, was die Händler ihr gaben. "Seit ich zur Schule gehe, weiß ich, dass sie mich oft betrogen haben. Das können sie jetzt nicht mehr mit mir machen."
 
Das Mädchen lernt fleißig. Im nächsten Jahr will sie sich in der staatlichen Schule anmelden. Weil sie dann vormittags nicht mehr arbeiten kann, legt Manan Woche für Woche etwas Geld zurück. "Mit unseren Butterflies-Lehrern haben wir dafür eine Sparkasse eingerichtet. Auf der Straße würden sie mir ja jeden größeren Betrag sofort abnehmen, doch bei den Butterflies wird das Geld sicher aufbewahrt, bis ich es brauche."


Roxana (11 Jahre)

Den Gesundheitsbus von Butterflies besucht Roxana regelmäßig. Die Elfjährige ist eines der rund 500.000 Kinder, die in Delhi auf der Straße arbeiten und leben.

Sie wohnt mit ihrer Familie am Fuße der großen Moschee Jama Masjid. Alles, was sie besitzt, verstaut sie unter einer Liege im Freien. Dank "Butterflies" kann sie eine Schule besuchen. Doch bevor sie morgens zum Unterricht geht, hilft Roxana ihrer Familie beim Müllsammeln. Schon ihre Großmutter verdiente ihr Geld auf diese Weise ebenso wie ihre Mutter und deren Geschwister.

Müll, Drogen und Angst gehören zu Roxanas Leben so selbstverständlich wie für andere Kinder Kuscheltiere und Bonbons.

Ein Interview mit Roxana über das Leben auf der Straße und ihren Traum von der Zukunft findet Ihr hier.


Raju (15 Jahre)

Raju ist seit neun Jahren bei Butterflies aktiv. Im Projekt ging er zur Schule und nahm an verschiedenen Aktivitäten und Programmen teil. "Butterflies hat mir und vielen anderen Kindern ein neues Leben geschenkt", sagt der 15-Jährige. Jetzt ist er der Präsident von Bal Majdoor Union, der Kindergewerkschaft. "Wir kämpfen gemeinsam für unsere Rechte, gegen die schlechte Bezahlung und die schlechten Arbeitsbedingungen, die viele von uns, die auf der Straße arbeiten müssen, tagtäglich erfahren."

Raju hat lange in der Straßentheatergruppe mitgespielt und versucht immer wieder, neue Kinder für das Theaterspielen zu begeistern. "Ich glaube, dass Theaterspielen der beste Weg ist um über unser Leben und unsere Probleme zu berichten", sagt er. "So können wir uns in der Welt Gehör verschaffen."


Anui (17 Jahre)

"Butterflies hat mir das Selbstbewusstsein gegeben, den Herausforderungen des Lebens zu begegnen", sagt Anui. Der 17-Jährieg ist seit langem bei Butterflies dabei.

Gerade lernt er für seinen Schulabschluss. Nebenher arbeitet er in der Kinderentwicklungsbank. Und er ist in der Ethikgruppe der Kindermedien aktiv. Hier treffen sich die Jugendlichen regelmäßig, um über Beiträge in den Zeitungen, im Radio oder im Fernsehen zu diskutieren. "Das hilft uns zum einen über aktuelle Ereignisse informiert zu sein, aber vor allem auch, diese kritisch zu reflektieren und dadurch eine eigene Meinung dazu zu entwickeln."

Indien

Indien

Indiens Wirtschaft boomt. Zwar nimmt die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, deshalb langsam ab. Doch vom rasanten Wachstum profitieren nicht alle Bevölkerungsschichten. Noch immer lebt fast ein Drittel der Inder in Armut. Und die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter.

Wusstest du darüber hinaus, dass...

  • Indien neun Mal so groß wie Deutschland ist – und damit das siebtgrößte Land der Erde.
  • Indien die größte parlamentarische Demokratie der Welt ist.
  • rund 40 Prozent der Inder Vegetarier sind und in keinem anderen Land  sich so viele Menschen fleischlos ernähren (mehr Informationen dazu gibt´s hier: Ab jetzt!).
  • rund 1.650 Sprachen in Indien unterschieden werden. Die Verfassung erkennt 22 nationale Sprachen an: Hindi, Bengali, Telugu, Marathi, Tamil, Urdu, Gujarati, Kannada, Malayalam, Oriya, Punjabi, Assamesisch, Maithili, Bodo, Dogri, Kashmiri, Konkani, Manipuri, Nepali, Santhali, Sindhi und Sanskrit, dass kaum noch gesprochen wird.
  • Indien nach China das bevölkerungsreichste Land der Welt ist.
  • ein Drittel der Bevölkerung weder lesen noch schreiben kann.
  • NGOs schätzen, dass 12,6 Millionen Kinder arbeiten müssen.
  • mehr als 65 Millionen indische Kinder zwischen sechs und 14 Jahren nicht zur Schule gehen.
  • sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Indien brutaler Alltag ist und alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt wird.
  • MISEREOR in Indien derzeit rund 350 Projekte unterstützt.

Weitere Infos

Weitere Infos

Wise Guys meet Butterflies

Wise Guy Nils und Eli vom 2-Euro-Team über ihren Butterflies-Besuch bei LandesWelle Thüringen.

Und noch einmal Eli Kleffner mit Informationen über das 2-Euro-Projekt Butterflies in der LandesWelle Thüringen.


Was genau macht Butterflies?

Bei Butterflies können Kinder dort zur Schule, zum Arzt oder ins Theater gehen, wo sie leben – auf der Straße. Mit Hilfe der Organisation haben die Straßenkinder eine Bank gegründet und einen Kinderrechts-Club. Mehr Infos dazu findest Du hier: butterflies-projekt.pdf


Interview mit Rita Panicker

Rita Panicker ist  Gründerin und Leiterin der Butterflies. Im Interview spricht sie über die Situation der Straßenkinder Delhis und das Recht auf Spielen. Das Interview findest Du hier: interview_rita.pdf


Portrait Rita Panicker

"Wir müssen darauf hören, was die Kinder zu sagen haben", sagt Rita Panicker. Die Inderin hört den Kindern zu. Schon jahrelang. Heute leitet sie in Delhi das Straßenkinderprojekt Butterflies. Zum Portrait geht's hier.


Der tägliche Kampf ums Überleben

Vorschaubild Straubinger Tagblatt

Das Projekt Butterflies in Neu Delhi war eines der ersten, über das das Straubinger Tagblatt im Rahmen seiner Kooperation mit MISEREOR berichtete. Im Mai 2008 erschien eine Reportage über das Projekt, das Straßenkinder in der
indischen Millionenstadt unterstützt. Fünf Jahre später berichtet die Zeitung erneut über die Butterflies.

Bericht zum Download (pdf, 320 KB)


Film-Tipp: SLUMDOG MILLIONÄR

"Slumdog Millionär" erzählt die Geschichte des Straßenjungen Jamal Malik, der an der indischen TV-Show "Wer wird Millionär?" teilnimmt. Am Ende trennt ihn nur noch eine Frage vom Gewinn der 20 Millionen Rupien. MISEREOR war Deutschland-Partner des Films.


Die Butterflies im Netz

Informationen zum Butterflies-Projekt, Geschichten rund um die Straßenkinder sowie Publikationen gibt’s auch im Netz unter www.butterflieschildrights.org


Botschafter

Wise Guys

Die Wise Guys haben das Straßenkinderprojekt Butterflies in Delhi besucht. Vier Tage lang waren die Straßen der indischen Metropole für Deutschlands bekannteste A-Capella-Gruppe wie ein Zuhause.

"Unsere Reise nach Indien hat mich sehr beeindruckt, vor allem das Engagement und der Lebensmut der Straßenkinder. Kinder, die sich ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und dann noch die Kraft haben, die Schule der 'Butterflies' auf der Straße zu besuchen, und die aktiv das Projekt mitgestalten, das hat mich sehr berührt", sagt Sari.

Die fünf Musiker haben mit den Mitgliedern einer Kindergewerkschaft diskutiert, mit den Straßenkindern Fußball gespielt und sogar Essen auf Rädern ausgefahren. Schließlich haben die Fünf auch gesungen. Den Straßenkindern gefielen die Songs so sehr, dass sie die Band gleich für das BUTTERFLIES Radio interviewten.

Aber auch die Wise Guys waren beeindruckt. Sari: "Uns hat das Projekt so begeistert, weil die Kinder viele der Aktivitäten selbst angestoßen haben." Und Eddi ergänzt: "Es ist schon unfassbar, in welcher Armut viele Menschen hier leben."

Die Wise Guys unterstützen die 2-Euro-Aktion und das MISEREOR-Straßenkinderprojekt Butterflies auf ihren Konzerten. Sie appellieren an das Publikum, sich gemeinsam mit ihnen für die Straßenkinder in Delhi einzusetzen.

Mehr zu den Wise Guys findest Du unter www.wiseguys.de.

"Wir müssen darauf hören, was die Kinder zu sagen haben." (Rita Panicker)

Unser Korrespondent

Zehn Monate wird Philipp als Freiwilliger bei den Butterflies leben, arbeiten - und uns regelmäßig davon berichten.

Zu den Berichten.


Die Wise Guys waren im März zu Besuch bei den Butterflies



Deine 2 Euro helfen. Zum Beispiel:

  • mit 2 € kann ein Kind einen Monat lang in die Straßenschule gehen
  • mit 12 x 2 € wird ein Straßenkind ein Jahr lang medizinisch versorgt
  • mit 2 € sicherst Du die Teilnahme eines Kindes am Sportsday.

Schmetterlinge lernen fliegen

Das Butterflies-Straßenkinderprojekt.


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